Restaurierung

Schrein

Bochum, St. Peter und Paul

 
Aus Silber getriebene Figuren und filigrane Emaillearbeiten, ...

... ornamentales Rankenwerk und versilberte Kupferschindeln sind nur einige Details, die den Reliquienschrein der Heiligen Perpetua und Felicitas der Propsteikirche St. Peter und Paul in Bochum kennzeichnen.

In sechs Wochen restaurierten wir den schwarz und optisch unansehlich gewordenen Schrein in unserer Werkstatt. Das etwa 30 Kilogramm schwere Kunstobjekt birgt Schädelknochen der jungen Märtyrerinnen, die am Ende des 2. Jahrhunderts in Karthago, im heutigen Tunesien lebten.

In den vergangenen Jahrhunderten duchlief dieses Sakralobjekt einen fortlaufenden gestalterischen Prozeß. Der älteste Teil des Schreins, ein frühromanisches Kernwerk stammt aus der Zeit um 1100. Die ursprünglich hölzerne Lade wurde vermutlich bereits um 1200 mit verschiedenen Emaillearbeiten geschmückt. Zweihunderfünzig Jahre später, um 1450, stiftet der Bochumer Freigraf Wennemar Paschendal einen eigenen Perpetua- Altar für die Propsteikirche. Im Zuge dieser Stiftung läßt er den Reliquienschrein mit vergoldetem Kupfer- und Silberblech beschlagen und schafft, wie die Sockelinschrift des Schreins berichtet, den Grundstock für die heutige Form - ein Haus. Die aus silber getriebenen Figuren entstanden etwa in der Zeit von 1450 bis 1560, die neuromanische Erweiterung wurde 1881 vorgenommen. An den zwei Giebelseiten des Schreins sind der thronende Christus und die heilige Perpetua mit Kuh aus Silber getrieben dargestellt. Die Längsseiten zeigen je sechs rundbogige Nischen, deren Säulen mit Emaillearbeiten dekoriert sind. Zwischen den Pfeilern finden sich die aus Silber getriebenen Reliefs der zwölf Apostel. Das Ganze wird von vier liegenden Löwenfiguren getragen. Die umlaufende Sockelschrift erzählt von weiteren Restaurierungen: "Durch die Umstände der Zeit", vermutlich eine Anspielung auf den verheerenden Bochumer Stadtbrand von 1517, habe Heinrich Riswik, Xantener Kanoniker und Patron der Bochumer Kirche, um 1560 den Schrein wiederherstellen lassen. Schließlich ist noch vermerkt, daß im Jahr 1881 der vermögende Bochumer Propst Johannes Cramer eine Aufarbeitung des Schreins durch Hofgoldschmied Bruun aus Münster durchführen ließ.

Bei der Restaurierung und Ergänzungsarbeit in unserer Werkstatt wurden Vergoldung und Versilberung gereinigt, fehlende Steine ersetzt sowie kleine Dellen im Metall geglättet, die von der jährlichen großen Stadtprozession herrühren. Darüberhinaus verleihen nun über 200 neue Nägel aus vergoldetem Kupfer dem Kunstwerk mehr Festigkeit und eine zusätzliche Glanzlackierung der Oberfläche sorgt für mehr Schutz gegen "den Zahn der Zeit".

 

zurück zur Übersicht